Ruhe in Frieden Adi!

Adolf Beckert ist tot

Der Mittwoch ist ein trauriger Tag für die Lokalredaktion der Oberpfalz-Medien. Sie trauert um Adolf Beckert, der über 40 Jahre ihr Statthalter in der Stadt war.

So bleibt (ab) dem Neuen Tag und unzähligen Bürgern in guter Erinnerung: neugierig, freundlich und immer einsatzbereit.

Bild: eg

von Friedrich Peterhans

„Ja, da geh ich hin.“ Diesen Satz haben viele Redakteure im Ohr, wenn sie mit „dem Herrn Beckert“ am Telefon einen Termin ausgemacht haben. Ob Bauausschuss, Hogerer, Schlesier, goldene Hochzeit oder ATSV: Wo Adolf „Adi“ Beckert gebraucht wurde, tauchte er für den Neuen Tag als freier Mitarbeiter auf. Seit 1975, als er seinen ersten Artikel schrieb. Der damalige Chefredakteur Gustav Kaiser und Oberlehrer Georg Hauser hatten ihn überredet.

Daraus wurden im Laufe der Jahre Millionen Zeilen, die er unter dem Kürzel (ab) zuverlässig und tüchtig Tag für Tag lieferte. In den Anfangsjahren fuhr er täglich selbst nach Weiden, um Filme und Manuskripte in der Redaktion abzugeben, später erledigte er das per E-Mail. Obwohl er von dem Computer, den ihm der Verlag zum 60. Geburtstag geschenkt hatte, anfangs gar nicht überzeugt war. „Braucht’s das?“, äußerte er seine Skepsis vor der neuen Technik. Doch bald schon kannte sich der zweifache Vater mit Mails und digitalen Fotos prima aus.

Adolf Beckert hat sich zeitlebens in viele Materien eingearbeitet. Der gebürtige Oberfranke lernte Porzellanmaler, war zwölf Jahre bei der Bundeswehr als Tastfunker im Verteidigungsministerium und später Kaufmann und Schuhhaus-Inhaber in der Hauptstraße. Das Schuh- und Wohnhaus war auch eine Art inoffizielle Geschäftsstelle unserer Zeitung. Wer eine Vereinsmeldung veröffentlicht haben wollte, um einen Berichterstatter bat oder eine Neuigkeit vom Stammtisch loswerden wollte, schaute beim Herrn Beckert vorbei. Im besten Fall ging er bei dieser Gelegenheit zwischen 1972 und 2005 mit einem Paar schicker Stiefel oder Sandalen wieder hinaus. Die Windischeschenbacher wussten, was sie an dem Hobby-Journalisten hatten, der im April 79 Jahre alt geworden wäre. Im April 2016 verlieh ihm die Stadt die Bürgermedaille. Beinahe wäre Adolf Beckert aber gar kein Eschawecker geworden. Als er bei der Bundeswehr in Paderborn war, weilte er 1966 nur kurz auf Heimaturlaub bei Bekannten in Röslau. Dabei lernte er eine gewisse Rita kennen, die in einem Kindergarten in Selb arbeitete. Es folgten Hochzeit, die beiden Kinder Regina und Christina und der Umzug an die Waldnaab, wo die Beckerts einsprangen, um das Schuhhaus zu übernehmen, das Rita Beckerts Bruder nicht haben wollte.

Adolf lebte sich gut ein, wurde Mitglied in vielen Vereinen und schloss schnell Freundschaften, was seinem offenen und aufrichtigen Wesen zu verdanken war. Ein Schicksalsschlag war der viel zu frühe Tod von Tochter Regina.

Die letzten Jahre gestalteten sich nicht leicht für die Familie. Ein knappes Jahr vor der goldenen Hochzeit im August 2017 stürzte Adolf Beckert von der Kirchentreppe und zog sich einen komplizierten Beckenbruch zu. Nach mehreren Operationen war die Pflegebedürftigkeit, die Ehefrau Rita liebevoll meisterte, unumgänglich. Bevor Adolf seine letzten Lebensmonate im AWO-Seniorenheim verbringen musste, war das Paar noch öfter in der Hauptstraße bei Spaziergängen anzutreffen. Den freien Journalisten konnte Adolf Beckert eben auch mit dem Rollator nicht ganz ablegen. Er wollte immer wissen, was in seiner Stadt los ist.

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