Premiere von „Madame Kröterich“: Kleine Kröte mischt auf in Windischeschenbach

Der Neue Tag

von Ernst Frischholz

Das aufgedrehte Krötenmädchen Friederike hat es schwer. Extremklettern im Waldnaabtal, Radl klauen am Schafferhof, dazu will ein Maulwurf die Waldnaab über den Stadtplatz umleiten. So schön war die Theaterpremiere zu „Madame Kröterich“.

Bild: fz

Bisamratte, Maulwurf, Dachs und Krötenmädchen spielen eine liebenswerte und total begeisternde Geschichte mit weiteren tollen Figuren.

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Das am Schafferhof geklaute Radl bekommt der Besitzer trotz Einsatz der Polizei nur mehr als Wrack.

In der idyllischen Naturbühne am Fuße des Turms der Neuhauser Burg sitzen am Samstagabend rund 370 Besucher, total gespannt in einem Ambiente, das vom Bühnenbild und der dahinter liegenden Burg geprägt wird. Freilichttheaterpremiere mit „Madame Kröterich“.

Aus der Feder von Johannes Rupprecht ist eine Fabelwelt entstanden, in der Menschen und Tiere fliesend eine Symbiose bilden. Die Laienspielschar Windischeschenbach setzte mit dem hausgemachten und an manchen Stellen ganz schön aufwühlendem Stück, um es mit den Worten des Maulwurfs zu sagen, vor allen Dingen einen Spaßfaktor für die Zuschauer. Mit Leidenschaft gespielt von Rupprecht selbst, Karlheinz Budnik, Gerald Wildgans, Renate Schönberger und Lena Schulze als Krötenmädchen.

Tolle Truppe, toller Abend

Rotzfrech spielt sie sich durchs Stück. Oberpfalz-Medien sprach mit Lena Schulze und Andreas Wolf, der als Paris ihr Krötenleben umkrempelt. Beide, die jüngsten Darsteller, sind begeistert vom tollen Abend, einem Publikum, das mitging, ihren Mitspielern, die sie als tolle Truppe bezeichnen und vor allem dem Stück. „Mein Gott, wie soll das den werden?“, so die Gedanken nach der ersten Leseprobe von Lena und Andreas. Menschen und Tiere bilden den Kern und das schauspielerische Korsett.

Reingerutscht in die Laienspielschar ist Lena Schulze im Jahr 2010 mit der Feuerzangenbowle als Rupprecht Mädchen für eine Schulklasse suchte. Andreas ist seit drei Jahren dabei. Auch ihn hat Rupprecht, den er als die Seele des Theaters bezeichnet, auf die Bühne gebracht. Vier Monate Proben mit der Angst im Nacken, Corona könnte den Vorhang nicht aufmachen lassen, fielen Samstagabend von Lena und Andreas ab. Sie merkten, dass das Publikum begeistert war, aber hineinschauen trauten sie sich nicht.

Stück auf den Leib geschrieben

„Da kennt man jemand und denkt: ‚Ach schön, dass der auch da ist‘ und schon kommt man aus dem Tritt“, sagt Lena. Für beide ist Rupprecht der Bezugspunkt, der Lena das Stück quasi „auf den Leib geschrieben hat“. Rupprecht stellt dazu fest, dass er das Stück nie geschrieben hätte, wenn er Lena nicht gehabt hätte. Gott sei Dank ist das so, denn den Besuchern wäre ein Theatergenuss verborgen geblieben, für den sie bei der Premiere den Darstellern begeisternden Applaus boten.

Das kann ja was werden!

„Madame Kröterich oder es ist nicht leicht, ein Krötenmädchen zu sein“

Es war nie leicht, ein Krötenmädchen zu sein. Schon gar nicht in unserer kleinen Stadt. Gestern nicht und heute erst recht nicht. Und morgen? Ach, was weiß ich! Weil da ist man kein It-Girl und kein Next Top Modell. Man ist nicht mal Zoiglkönigin oder Karpfenprinzessin. Man ist Friederike die Kröte und damit basta.

Dabei ist sie sehr klug, die Friederike und mutig und voller Ideen. Hübsch ist sie auch noch, sehr hübsch sogar. Für eine Kröte, wohl gemerkt. Ach, was soll`s .

Aber wenn man den Vater verloren hat und die Mutter. Dann ist man eben alleine, sehr alleine!

Weil der Vater, das muss man wissen, ist vor ein paar Jahren von einem Storch angefallen worden. Der hat ihn mit einem Frosch verwechselt, aus Versehen. Mit einem Frosch! War eine angesehene Persönlichkeit in unserer Stadt, der alte Herr Kröterich. Sogar im Stadtrat, Kirchenverwaltung und Alles. Man hat ihn noch ins Klinikum nach Weiden gebracht, mit dem Hubschrauber. Aber hat nichts mehr geholfen.

Und die Mutter ist verschwunden, einfach verschwunden, schon vorher.

Gut, jetzt kümmert sich ein alter Freund des Vaters um sie. Fritz-Geraldo, die Bisamratte und sein Kumpel Black-Jack, der Maulwurf.

Aber Fritz-Geraldo nervt nur und Black-Jack findet alles aufwühlend, wahnsinnig aufwühlend! Ein Maulwurf eben.

Denn Friederike will Bergsteigerin werden, extrem! Erstbesteigung des Tischsteins im Waldnaabtal durch eine Kröte vom Fluss aus. Ohne Sauerstoff und so. Wie einst Reinhold Messner den Mount Everest.

Großer Aufmacher im „Neuen Tag“.

Oder Radrennen. Tour de France, mindestens!

Aber jetzt sitzt sie eingekerkert in den Felsenkellern von Neuhaus.

Fahrrad geklaut, Widerstand gegen die Staatsgewalt, das Hohe Gericht beleidigt und so weiter und so weiter….!

Es ist zum Verzweifeln. Wenn da nicht Paris wäre, der Sohn des Kerkermeisters. Ein Götterbild von einem Mann! Friederike hat sich sofort in ihn verknallt. Aber schon so was von verknallt. Welches Mädchen verknallt sich schon nicht in einen griechischen Gott, so in Marmor gehauen. Frag ich? Wenn Sie jetzt wissen wollen, wie das alles noch ein gutes Ende findet, oder ein tragisches, oder gar keines? Dann kommen Sie zu unserem Theater im Juni auf die Burg Neuhaus. Wir werden Sie kräftig durcheinander wühlen. Es wird ein aufwühlender Abend, sehr aufwühlend. Das verspricht Ihnen die Laienspielschar Windischeschenbach. Wir freuen uns auf Sie!

Autor: Hannes Rupprecht

Bühnenbild: Christian Mayerhöfer

Regie: Christian Mayerhöfer und Hannes Rupprecht

Termine auf Burg Neuhaus:

Premiere:                           Samstag, 18. Juni 2022

Weitere Termine:               Freitag, 24. Juni 2022

                                          Samstag, 25. Juni 2022

                                          Sonntag, 26. Juni 2022

Kartenvorverkauf: Ab 13. April 2022